DIE ATEMLEHRERIN

Wie Carola Spitz aus Berlin floh und die Achtsamkeit nach New York mitnahm

„Wer Angst hat, sagt die Expertin Carola Speads, dessen Körper verändert sich. Das ist ein natürlicher Prozess. Der Körper will helfen, den Ausnahmezustand Angst zu überstehen. Aber was passiert, wenn die Angst nicht verschwindet? Dann verändert sich die Wachsamkeit des Körpers in etwas anderes. Man verkrampft. Die Muskeln sind angespannt, die Gelenke steif, die Atmung flach. Die Anspannung kann zu einer solchen Anstrengung führen, dass einem alles zu viel wird und wiederum grosse Schlaffheit die Folge ist. Ein Teufelskreis ist das, sagt Spreads. Weil der ängstliche Mensch über Muskeln, Sehnen, Atmung nicht mehr richtig verfügen kann, legt er sich andere Körperhaltungen zu, so dass sich Anspannung oder Schlaffheit noch mehr ausbreiten und man noch ängstlicher wird.“

(…)

„Jeder atmet, aber wer denkt schon über das Atmen nach? Dichter tun das vielleicht, weil die Poesie so viel mit dem Luftholen zu tun hat. Jede Zeile eines Gedichts wird von der Länge eines Atemzugs beschränkt. (…) Vielleicht machen sich nur solche Menschen Gedanken über das Atmen, die Probleme damit haben. Alle anderen nehmen es als selbstverständlich hin.“

Ein wunderbar achtsam geschriebenes Buch über Carola Spitz und auch über die Geschichte der Atemlehre im 20. Jahrhundert. Für mich als Atemtherapeutin ein besonderer Schatz.

https://www.suhrkamp.de/buecher/die_atemlehrerin-christoph_ribbat_42927.html

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